Historie
Zu Beginn der dreissiger Jahre wünschten die Gemeinden
am oberen Zürichseeteil eine Verbesserung der Quer-
fahrten in ihrer Region. Es wurden alle eingegangenen Offerten
geprüft. 1933 war es soweit: Der Verwaltungsrat der damaligen
Zürcher Dampfboot-Gesellschaft erteilte der Firma Escher-
Wyss & Cie. den Auftrag für den Bau eines 200 Personen fassen-
den Motorschiffes. Es war die erste Bestellung eines Diesel-
motorschiffes, das auf dem Zürichsee verkehrte. Ein neuartiger
Schiffsantrieb, der weltweit erste Escher-Wyss-Verstellpropeller,
sorgte beim neuen Schiff für die nötige Schubkraft. Bei diesem
Prinzip werden zur Vorwärts- oder Rückwärtsfahrt einfach die
Propellerflügel entsprechend angewinkelt. Die Schraubenwelle
dreht sich immer in die gleiche Richtung.
Am 1. März 1934 wurde das neue Schiff von den Escher-Wyss-
Werkhallen zum Hafen Enge transportiert und seitwärts vom
Stapel gelassen. Das schmucke Schiff erhielt den Namen Etzel,
wurde in die Werft nach Wollishofen geschleppt und dort fertig- gestellt. Am 8. Juni 1934 nahm das neue Schiff den Passagier- betrieb auf. Während der Schweizerischen Landesausstellung
1939 in Zürich pendelte das «MS Etzel» zwischen den beiden
Ausstellungsteilen. Daraufhin verblieb sie im unteren Seebecken.
In den fünfziger Jahren wurde eine kleine Küche eingebaut und
beide Kabinen abgeändert. Dadurch entstand am Bug ein kleines
Freideck. Im Winter 1966/67 erhielt das «MS Etzel» mittschiffs
eine Winterverschalung und eine Radaranlage.
Das «MS Etzel» wurde daraufhin auch im Winterhalbjahr täglich eingesetzt. Es bediente die Stationen im unteren Seebecken
und bewältigte den Pendelverkehr zwischen Erlenbach und Thalwil.
Im Jahr 1972 folgte die nächste grössere Veränderung für das
«MS Etzel»: das Schiff bekam eine neue Maschine. Im Jahre
1986 ereignete sich eine weitere interessante Episode im Leben
des «MS Etzel»: Das Ruderblatt ging verloren und das Schiff
trieb steuerlos im See …
Gegen Ende des Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass die Zeit
für das «MS Etzel» bei der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft
langsam abläuft. Es sollte einem modernen und komfortablen Schiff Platz machen. Deshalb ergriff Stefano Butti, der letzte
Etzel-Kapitän, am 22. Juni 1999 die Initiative: Er rief zusammen
mit anderen Schiffsenthusiasten den Verein Pro «MS Etzel»
ins Leben. Ziel des Vereins war, die letzte «Schwalbe» auf dem
Zürichsee zu erhalten.
Die ZSG wollte das Schiff definitiv nicht mehr weiter betreiben.
Die Mitglieder des Vereins Pro «MS Etzel» gründeten im Jahr
2001 die Genossenschaft «MS Etzel», um die Finanzierung
sicherzustellen. Bei einer zweimonatigen Überholung in der ZSG-
Schiffswerft Wollishofen wurde unter anderem eine Küche mit
Bar eingebaut. Seither kann dieses Schmuckstück für Charter-
fahrten aller Art gemietet werden. Bis heute hat das über
70-jährige «MS Etzel» mehr als 2 Millionen Kilometer auf dem
Zürichsee zurückgelegt. Dies entspricht einer 50-fachen
Erdumrundung.
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