Technischer Beschrieb
Dieselmotor
Beim Bau 1934 wurde die «Etzel» mit einem Sulzer 2-Takt Dieselmotor ausgerüstet. Der 6-Zylinder-Motor leistete 240 PS bei 500 Umdrehungen in der Minute. Im Jahre 1972 wurde eine neue Maschine eingebaut. Beim über 30-jährigen zweiten Motor handelt es sich um einen 4-Takt Dieselmotor mit 6 Zylindern. Seine Leistung von 220 PS gibt er bei 1500 Umdrehungen pro Minute ab. Die höhere Drehzahl des zweiten Motors machte den Einbau eines Untersetzungsgetriebes nötig. Dieses befindet sich zwischen Motor und Schraubenwelle. Früher oder später wird die «Etzel» wieder mit einem neueren Antriebsaggregat ausgerüstet werden müssen, wobei das Getriebe und die restliche Antriebsanlage problemlos beibehalten werden können.
Der weltweit erste Verstellpropeller
Den nötigen Schub für die Vor- oder Rückwärtsfahrt der «Etzel» liefert der weltweit erste Verstellpropeller der Zürcher Maschinenbaufabrik Escher-Wyss & Cie. Ein Verstellpropeller funktioniert folgendermassen: Der Motor ist über ein Reduziergetriebe direkt mit der Schraubenwelle verbunden. An der Schraubenwelle ist eine Propellersteueranlage (Servo) angebracht, die mittels Wellendrehung und Ölpumpe einen Druck aufbaut. Von der Servoanlage führt nun eine Hohlwelle zum Propeller. Durch diese Welle führen Steuerstangen vom Servo zum Propeller. In der Servoanlage wird der entstandene Öldruck verwendet, um den Flügeln des Propellers einen anderen Anstellwinkel zu geben. Die Ventile dafür kann der Kapitän vom Steuerhaus aus mit einem grossen Hebel steuern. Sobald der Motor läuft, dreht sich also die Schiffsschraube. Je nachdem ob das Schiff vorwärts oder rückwärts, schnell oder langsam fahren soll, werden einfach die Propellerflügel anders angewinkelt. Die Antriebsanlage der «Etzel» ist ein technischer Meilenstein in der Geschichte der Firma Escher-Wyss & Cie. und des Wasserturbinenbaus. Sie befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand, ist aber pflegeintensiv.
Steuerruder
Jedes Schiff hat ein Steuerruder. Ohne dieses wäre eine Kursänderung nicht möglich. Es gibt Dutzende verschiedener Steuersysteme, zum Beispiel Strahlruder, Voith-Schneider Propeller oder Schottelantrieb. Alle diese Systeme lenken den Schubstrahl des Schiffsantriebes immer in eine gewünschte Richtung und steuern so das Schiff. Bei grossen Schiffen kann diese Schubstrahlablenkung nicht mehr von Hand erfolgen. Es braucht dazu ein Untersetzungsgetriebe, eine Hydraulikpumpe oder sogar einen eigenen Motor.
Ruderanlage
Alle Teile, die mit dem Steuern des Schiffes zusammenhängen, nennt der Seemann Ruderanlage. Die Ruderanlage der «Etzel» funktioniert folgendermassen: Vom Steuerrad im Steuerhaus läuft eine starke Kette durch den Steuerhausboden hinunter in die Schiffsschale. Unter dem Hauptdeck im Rumpf ist diese Kette auf einer Welle befestigt; ähnlich der Antriebswelle der Schiffsschraube, nur viel kleiner. Die Welle läuft durch das ganze Schiff, vom Steuerhaus bis nach achtern, wo sich das Ruderblatt befindet. Eine andere Kette am hinteren Ende der Welle läuft auf eine weitere kurze Welle, die sich genau in der Schiffsmitte über dem Ruderquadranten befindet. In diese kurze Welle ist ein Gewinde eingefräst, das durch die Drehbewegung der Welle den Ruderquadranten mit dem Ruderschaft und dem daran befestigten Ruder bewegt. Für Notfälle kann vom Hauptdeck direkt eine Pinne am Ruderschaft eingehängt werden. Die Bedienung der Pinne erfolgt durch eine oder mehrere Personen vom Achterdeck aus. Die Kommandoübermittlung vom Steuerhaus nach achtern erfolgt durch farbige Laternen.
Schiffsschale
Die Schiffsschale ist der eigentliche Schiffskörper und würde beim Hausbau ungefähr dem eigentlichen Rohbau entsprechen. Die Bauteile der Schiffsschale sind der Kiel inkl. Kimm, die Motorenfundamente und andere Längsträger, die Spanten mit Deckträgern sowie die Planken der Aussenhautbeplattung. Die Schiffsbauer unterscheiden zwischen der Längsspant- und der Querspantbauweise. Bei der Längsspantbauweise beträgt der Abstand zwischen den Spanten 2-3 Meter. Der Zwischenbereich wird mit Längsträgern ausgesteift. Bei der Querspantbauweise sind die Spanten wesentlich schwächer ausgebildet, aber dafür beträgt der Spantabstand nur noch ungefähr 50 cm. Die «Etzel» wurde in der Querspantbauweise erbaut und hat 58 Spanten. Um Passungenau igkeiten zu vermeiden, wurden die Schalenbleche überlappend zusammen gefügt. Die Schiffsbauer sprechen bei dieser Art von einer «gejoggelten» Aussenhaut. Beim Holz boot entspricht diese ungefähr der Klinkerbauweise, bei der die Planken dachziegelartig übereinander gelegt werden.
Schiffsdeck
Das Schiffsdeck hat viele Anforderungen zu erfüllen. So muss es in erster Linie sehr rutschfest sein, damit die Besatzung auch bei Wind, Regen und Seegang einen sicheren Stand hat. Die Aussenbereiche der Etzel haben einen Zementunterlagsboden, der versiegelt wurde. Die Bodenbeläge im Einstiegsbereich sowie im Fahrgastraum sind aus PVC und im Jahr 2005 komplett erneuert worden. Die Küche im Vorschiff verfügt über einen klassischen Holzboden. Ein gut gepflegtes Holzdeck im gesamten Schiff sähe natürlich schöner aus, ist aber erheblich teurer und aufwändiger. Das Holz für Schiffdecks kommt übrigens aus speziellen Plantagen, meistens aus dem ostasiatischen Raum. Es können aber auch europäische Hölzer mit hohem Harzgehalt (zum Beispiel Pinie) verwendet werden. Tropenhölzer aus Regenwäldern dürfen nicht ver wendet werden!.
Steuerhaus
Das Steuerhaus (auch Kommandobrücke genannt) ist der Arbeitsplatz des Kapitäns und des Rudergängers. Bei einem kleinen Schiff wie der «Etzel» ist der Kapitän gleichzeitig auch Steuermann. Im Steuerhaus sind alle wichtigen Instrumente für die Schiffsführung untergebracht. Neben dem Steuerrad und den Kommandohebeln für Maschinen und Propeller sind dies Kompass, Radar und Wendezeiger. Aber auch alle Maschinenüberwachungs-Instrumente werden ins Steuerhaus geführt, damit der Kapitän jederzeit über sämtliche aktuellen Motordaten verfügt. Seekarten, Fahrpläne, Signalflaggen, ein Handpeilkompass, Kartendreiecke und ein gutes Fernglas gehören zum Werkzeug eines Kapitäns und sind ebenfalls im Steuerhaus untergebracht. Das Steuerhaus der «Etzel» war in einem schlechten Zustand. Die nautischen Instrumente wurden also modernisiert und den heutigen Bedürfnissen angepasst. 2009 wurde ein moderner Tageslichtradar eingebaut. Im November 2010 wurde das Steuerhaus dann innen komplett neu ausgebaut mit einem Täferimitat aus den dreissiger Jahren. Die Originalteile wurden natürlich belassen, so besitzt die "Etzel" nach wie vor z.B. ein klassisches Steuerrad.
Eingangsbereich
In der Schiffsmitte befindet sich der Eingangsbereich, das sogenannte Einstiegsdeck. Dieser Teil war nicht immer vollständig geschlossen. Bei Inbetriebnahme des Schiffes war der Eingangsbereich nur mit einer Reling versehen. Über dem Dieselmotor befand sich eine Motorhaube, welche den Motor abdeckte. Im Vorschiff befindet sich die kleine Vorderkabine mit Zugang zum vorderen Freideck. Im Achterschiff finden wir die Achterkabine (Salon) mit Zugang auf das offene Achterdeck. Im Salon sind noch die originalen Holzbänke vorhanden. Der Innenausbau wurde teils erneuert, repariert oder aufgefrischt. Bis auf das Einstiegsdeck hat die «Etzel» auch eine stilvollere Beleuchtung erhalten, welche dem Schiff ein gemütliches Ambiente verleiht.
Küche
Erst 1950 – 16 Jahre nach Inbetriebnahme der «Etzel» – wurde eine
kleine Küche eingebaut. Um den Gastronomiewünschen unserer Kunden
gerecht zu werden, wurde das gesamte Vorschiff neu ausgebaut und
eine grosse Küche mit Bar integriert. Die Küche ist mit modernen
Geräten ausgestattet. Die Bar kann als Buffet für den Getränkeverkauf
sowie als Anrichtebereich oder Abräumstation für das Catering genutzt
werden.
Ausrüstung
Jedes Schiff hat immer eine vorgeschriebene Ausrüstung an Bord mitzuführen.
Dazu gehören neben Tauwerk, Schwimmwesten, Petroleum-
Laternen und Rettungsringen auch Seekarten, Navigationsinstrumente
und Signalflaggen. Bei der «Etzel» wurde diese Ausrüstung teilweise
erneuert respektive ergänzt. Zur Navigationsausrüstung gehört heutzutage
beispielsweise ein Wendezeiger. Dieser zeigt die geringste
Kursabweichung an und ist bei Nebel ein unverzichtbares Hilfsmittel.
Auch eine zeitgemässe Radaranlage gehört auf ein Schiff. Bei der
Navigationsausrüstung bietet sich eine Symbiose aus alt und neu: Der
alte Magnetkompass der «Etzel» ist ein ausserordentliches Schmuckstück
und noch voll funktionstüchtig. Zusätzlich verfügt die «Etzel» aber
auch über ein GPS-Gerät. Eine gute Schiffsausrüstung hat immer erste
Priorität: Die Sicherheit für Passagiere und Schiff darf auf keinen Fall
vernachlässigt werden.